Aus meinem Vortrag vom Samstag, 18. August 2018.

Die Ausstellung in der Galerie L33 dauert noch bis und mit 31. August. Öffnungszeitn: Di–Fr. 13.30_18.30, Sa  10–16

Finissage am 31. August 2018 16–18 Uhr

Über die Kunst
«Wenn ch wüsste, was Kunst wäre, würde ich es für mich selbst behalten.» Pablo Picasso.

 

Wer dann aber schreibt was mir in einem FB-Kommentar passiert ist): « (D)ein Bild ist schön, aber keine Kunst», gibt damit an, vel über Kunst zu wissen. Mehr als z. B. Picasso, also! Picasso war ein Jahrhundertkünstler. Ein Maler, der sein Handwerk durch und durch beherrschte und gleichzeitig über sehr viel Phantasie, Kreativität und Beobachtungsgabe verfügte. Das zeigt die Vielfalt seiner Motive und Themen. Handwerk in Verbindung mit Kreativität, Phantasie und Beobachtungsgabe = Kunst? Vielleicht bedeutet «Kunst» schlechthin etwas mehr als nur das. Aber gerade diese «Mehr» ist schwer zu umschreiben. Es liegt wohl an der Beherrschung, und an der Kombination und an der Wahl der Mittel, dass man ein bestimmtes Werk als Kunst erkennen will. Und an der Art, wie Kunstschaffende das auslegen und anwenden. Kunst ist nicht nur dann Kunst, wenn sie etwas Bestimmtes aussagt. Stellung bezieht, zu den Gegebenheiten der Gegenwart, zu politischen oder zu gesellschaftlichen Themen, z. B. Wird dieses Anliegen mit wenig Können und dilettantisch-unzulänglichen Mitteln angegangen und dargeboten, bleibt die Kunst auf der Strecke und das Ziel einer geistigen Aussage ist verfehlt. Es kommt auf das Gleiche heraus, als würde jemand lallend ein Gedicht von Goethe oder Schiller rezitieren. Ich meine, dass Kunst geistig durchdrungen sein muss. Im Kunstschaffen liegt auch der Wille Kunst zu schaffen. Die geistige Durchdrungensein ist meist spür- aber nicht messbar. Und, um dieses Durchdrungensein spüren zu können, dazu genügt ein kurzer Hinblick meist nicht. Eine unbefangene Begegnung allerdings wäre wünschenswert. Eine Begegnung unbefangen und frei von Vorurteilen. In diesem Sinn entsteht Kunst auch durch die Betrachter. Die Betrachter sind immer am Wert eines Werkes beteiligt. Ein Werk bewirkt etwas, zwingt zum Nachdenken und löst einen Strom von Gefühlen aus, über die wir uns klar werden müssen.

Malprozess

 

Ich gehe sehr oft von Farbklängen aus, die mir vage vorschweben und die sich dann während des Malprozesses nach und nach konkretisieren und verdichten. Die ersten Untermalungen zielen kontrastierend auf die gedachte Endfassung hin, sind komplementär dazu, heller, dunkler, aber auch wärmer, kälter, Stufungen innerhalb einer einzelnen Buntart (z. B. Gelb vor Orange usw.). Eine einzelne, sogfältig vorgemischte Farbe wird dann jeweils punktartig über die ganze Bildfläche verteilt, weitere Farben gesellen sich dazu, werden ausprobiert, wieder verändert, bis der Farbklang meines Erachtens stimmt. Und so wird Schicht auf Schicht aufgebracht. Ich betone teils die Konturen, missachte  dann aber auch gleichzeitig wieder die Grenzen der Formen, so dass sie miteinander zu einem neuen Ganzen, zu einer neuen Form – und auf der Bildfläche zu einem dichten Gewebe verschmelzen. Ich male jeweils lange, sehr lange an einem Bild, so lange, bis ich die Gewissheit erlangt habe, dass ich daran nichts mehr Weiteres machen kann. Jede neue Schicht, stützt sich auf «Informationen» die die unteren Schichten übermitteln, Spuren, die teilweise noch sichtbar bleiben und durch die neue Schicht hindurch wirken; das Nicht-mehr-Sichtbare ist dann in geistiger Hinsicht genauso bedeutend, wie das Sichtbare – Endgültige!

 

Aber den Bildserien übergeordnet sind immer einzelne Themen. So z. B. «Zwischenräume», inspiriert durch das Gedicht «Der Lattenzaun» von Christian Morgenstern. Und am Ausgangspunkt inspirierte mich dann tatsächlich auch ein Lattenzaun. Dann befasste ich mit dem Thema «Aufbruch-Ausbruch», wobei die vorhin erwähnte Schablonenform im Widerstreit mit einem streng konzipierten Raster steht, daraus ausbrechen will und schliesslich  im Thema «Spirale» sich eben diesem einzigartigen geometrischen Phänomen unterordnet, um dann gleichzeitig diese Strenge «Überordnung» aufzusplittern und zu verlassen. Auch hier bekommt dem «Nicht-mehr-Sichtbaren» die gleiche Bedeutung wie dem «Sichtbaren».